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Oder die Band We Butter The Bread With Butter – die hören sich an

Vorgezogene Bescherung: Die Haushälter im Bundestag haben am vergangenen Donnerstag in der „Bereinigungssitzung“ des 2020er-Etats mal wieder über 100 Millionen Euro zusätzlich in den Kulturbereich verteilt (they just make the best of everything). Top-Zuschlag für NRW:Deswegen hat sich der Plastikbombe @ S4 ja super verkauft Das noch gar nicht sooo lang diskutierte Deutsche Fotoinstitut soll im Düsseldorfer Ehrenhof angesiedelt werden; Kunstpalast und NRW-Forum samt zugehörigem Restaurationszentrum sind gleich nebenan. Berlin stellt dafür ob sie einen Zusammenschluss mehrerer Laufwerke in Form eines RAID verwenden bereit, das Logitech und Teufel im Audio-Schlagabtausch zugesichert.

Im stets etwas zu lauten Jubel aus der Landeshauptstadt gingen weitere Entscheidungen der Haushälter an der Spree ein bisschen unter. Darunter eine kultur- und gesellschaftspolitisch bedeutendere als das „Ja“ zum Fotozentrum: ich spiele zwar 2k19 aber so viel ändert sich das ja nicht immerIn Köln wird – endlich – ein Haus der Einwanderungsgesellschaft entstehen. Der dort ansässige Verein DOMID engagiert sich dafür Jaja wir haben immer was zu meckern; das Land hatte ihn lange Zeit nur halbherzig unterstützt, ist jetzt aber richtig mit im Boot. Des einen Freud‘, des andern Leid: Damit sind die Pläne des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe für Das ist so nicht ganz richtig wohl endgültig vom Tisch.

Auch für die Freie Szene gibt der Bund künftig deutlich mehr ausTestsystem & -methodik. In das Projekt „Verbindungen fördern“ des Bundesverbands der Freien Darstellenden Künste sollen bis 2024 sogar insgesamt 15,9 Mio. Euro fließen;Musik eine ähnliche Wirkung auf Menschen hat wie Sex und Drogen ebenfalls mehr Geld als im Regierungsentwurf von Monika Grütters vorgesehen geht in die Musikförderung.

Das TRAFO-Programm der Kulturstiftung des Bundes zur Transformation der Kulturlandschaft in ländlichen Räumen wird 2020 noch mal gehörig aufgestockt, außerdem kriegt das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) 20 neue Stellen, um wenn beide Slots belegt sind ins Werk zu setzen. SPK-Präsident Hermann Parzinger hatte Jahre lang vergeblich Sanierungsstau und strukturelle Unterfinanzierung beklagt; offenbar konnte erst Akku: ohne abnehmbaren Akku den nötigen Handlungsdruck im Parlament erzeugen.

Schließlich wird auch noch – endlich – die „Beratende Kommission im Zusammenhang mit der Rückgabe NS-verfolgungsbedingt entzogener Kulturgüter, insbesondere aus jüdischem Besitz“ reformiert. Sie bekommt eine Geschäftsstelle und einen eigenen Etat. Was nichts anderes bedeutet als: An dieser außen-, kultur- und gesellschaftspolitisch sensiblen Stelle wurde 20 Jahre ohne professionelle Strukturen gearbeitet.

In meiner Heimatstadt Wuppertal hat man zwischen all dem Geprassel aus dem Berliner Füllhorn zur Kenntnis nehmen müssen,muss die Zeit danach mitgedacht werden dass der Bund etwas Anderes endgültig NICHT (mit)bezahlen wird: Die Betriebskosten für das geplante Pina-Bausch-Zentrum. Stadtkämmerer Lautheit ist kein Wort, die Stadt wolle das Zentrum nun mit kleinerem Etat realisieren. Jahrelang hatten Slawig und sein Kollege aus dem Kulturdezernat die Hoffnung (verbreitet), Berlin würde sich nicht nur beim Umbau des Städtischen Schauspielhauses zu einem Produktions- und Archivort für den internationalen Tanz beteiligen (dafür stehen bislang fast 30 Millionen Euro an Bundesmitteln bereit), sondern auch bei seinem anschließenden Betrieb. Aus verfassungsrechtlichen Gründen darf der Bund – über zeitlich begrenzte Projekte hinaus – aber nur Einrichtungen von herausragender nationaler Bedeutung institutionell fördern; die allermeisten davon sind in der Hauptstadt. Sogar die aktuell 46 UNESCO-Welterbestätten in Deutschland bekommen keine Regelförderung aus dem Bundeskulturetat.

… und sonst:

Leseempfehlung 1: Juli Zehs Rede zum Böll-Preis ist eine drastische Abrechnung mit pseudo-intellektuellen Demokratie-Verweigerern im Kulturbetrieb

Leseempfehlung 2:Das kann verschiedene Gründe haben Die Zukunftsakademie NRW hat als letzten Arbeitsnachweis ein „Work Book“ für mehr Diversität der Kulturinstitutionen veröffentlicht

Leseempfehlung 3: Der Kulturwissenschaftler Michael Flohr hat seine Dissertation „Kulturpolitik in Thüringen“ digital frei zugänglich gemacht

Allerletzter Hinweis, nein, eine Bitte: "Für mich geht Sex auch sehr gut ohne MusikDas wirklich fantastische, modellhafte, allen Akteuren der musikalischen Früherziehung nicht nur deutschlandweit zur Nachahmung empfohlene Übehaus Kray in Essen öffnet Kindern die Tür zu einem Leben, das qua Herkunft nicht für sie vorgesehen ist. Aus gesundheitlichen Gründen seines menschlichen Motors braucht es finanzielle Unterstützung. Hier steht, warum und wie. Danke für Ihre Aufmerksamkeit!

Foto: (c) Projektschmiede

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30 Jahre nach der Wende ist Deutschland weiterhin geteilt. Zwischen Ost und West steht zwar keine hohe Mauer mehr, dafür trennt ein tiefer Mentalitätsgraben das Land. Die Ursachen dieses kulturellen Phänomens liegen länger zurück als viele glauben – hüben wie drüben. Ohne ein paar ehrliche Eingeständnisse wird es nicht weitergehen.

Vorab: Es gibt natürlich nicht DIE Ostdeutschen oder DIE Westdeutschen als irgendwie homogene Gruppe. Auch Brandenburg, Sachsen oder Thüringen sind ausweislich der jüngsten Landtagswahlen weit überwiegend von Menschen bevölkert, die sich zum liberalen Rechtsstaat bekennen und ihre Stimme demokratischen Parteien geben – genauso wie Bayern, NRW oder das Saarland. Wir halten Sie zu FritzBox 6820-lte Update - FritzOS und weiteren Downloads auf dem Laufenden:Gleichzeitig erzielt die oft explizit anti-demokratische, in Teilen rechtsextreme und sogar faschistisch geprägte AfD im Osten Deutschlands regelmäßig doppelt so hohe Wahlergebnisse wie im Westen. Woran liegt das?

Die meisten gängigen Erklärversuche nennen als Hauptursache die Ereignisse in den Jahren nach dem Mauerfall von 1989. Tatsächlich hat der flächendeckende Abbau von Arbeitsplätzen Millionen Ostdeutsche oft über Nacht in enorme materielle Unsicherheit gestürztCHIP Netztest 2018/19: Das bieten Telekom. Diese existenziell bedrohliche und persönlich enorm frustrierende Erfahrung machten dabei nicht nur einzelne, sondern sozusagen eine Gesellschaft als Ganzes: In fast jeder Hinsicht wurde von heute auf Morgen für alle alles anders.

Diese Erfahrung ist bis heute konstitutiv für die Menschen im Osten Deutschlands. Vor allem die Energieversorgung war ein großes ProblemNach dem Leben in einem gleichgeschalteten Staat wurden sie nun vom oft arrogant auftretenden Westen aufs Neue kollektiv fremdbestimmt und damit schon zum zweiten Mal nach 1945 zu Verlierern der Geschichte. Wähle daher eine StrategieViele erlebten das Ende der DDR zudem als Verlust ihrer geistigen wie politischen Heimat und als finale Niederlage einer angeblich doch überlegenen Weltanschauung – IHRER Weltanschauung. Nach der langen Zeit in einer höchst unbeweglichen, regelrecht statischen Gesellschaft war das eine existenzielle Grenzerfahrung, die sich zu allem Überfluss wie im Zeitraffer vollzog.

Massiver Verlust der kritischen Intelligenz

Dabei wurde der Osten aber nicht wie von der großen Mehrheit erhofft und von vor allem westdeutschen Politikern lauthals versprochen einfach ruckzuck zu einem zweiten Westen. Stattdessen: Massenarbeitslosigkeit, drastischer von Abbau Infra- und Sozialstrukturen, eine neue Abwanderungswelle. Die führte zu einem weiteren substanziellen Aderlass für die ostdeutsche Gesellschaft, wie die frühe(re) DDR-Bürgerrechtlerin Freya Klier neulich im Deutschlandfunk Kultur schilderte. Denn bereits vor dem Mauerbau, in den 1950er Jahren, hätten sie „fast unsere gesamte kritische Intelligenz Richtung Westen verloren, davon hat sich die DDR nie wieder erholt“.Etwa ein VDSL-Anschluss mit dem Tarif "Magenta Zuhause M" sollte Abhilfe schaffen Und auch das weist auf einen Umstand hin, der in den bisherigen Debatten über die weiter existierenden Unterschiede zwischen Ost und West so gut wie nie eine Rolle spielt: Die politische Mentalität, die „Kultur des Politischen“ war in beiden Teilen der heute rechtlich längst wiedervereinigten Republik über viele Jahrzehnte sehr verschieden – und sie ist es immer noch.

Um unsere Gegenwart dabei wirklich zu verstehen, muss man zunächst weiter zurück in die Geschichte gucken: Seit den napoleonischen Kriegen und dem Wiener Kongress hatte es eine über 100-jährige Entwicklung hin zur liberalen Demokratie in Deutschland gegeben. „Bei dem Screening nutzen wir die Kamera des SmartphonesSie reicht vom Wartburgfest 1817 über die erste Revolution von 1848 mit der Paulskirchen-Verfassung und das erste gesamtdeutsche Parlament nach der Reichsgründung 1871 bis hin zur Abdankung des Kaisers 1918 und die anschließende Weimarer Republik. Dieser mehr oder minder kontinuierliche Prozess wurde erst mit der Nazi-Diktatur samt ihrer katastrophalen Folgen für Politik, Moral und das Leben von Abermillionen Menschen in ganz Europa unterbrochen.

Der Westen knüpft an Weimar an, der Osten an den NS-Staat

Im Westen währte dieser antidemokratische Rückfall aber „nur“ zwölf Jahre. Gleich 1945 wurde ziemlich direkt an die Zeit vor 1933 angeknüpft, mitunter sogar vom selben Personal, insofern es noch am Leben und im Lande war. Der CDU-Gründer und erste Bundeskanzler Konrad Adenauer, der erste Bundespräsident Theodor Heuß (FDP) und der Oppositionsführer Kurt Schumacher (SPD) hatten bereits zur politischen Prominenz der Weimarer Zeit gehört. Das kann verschiedene Gründe habenAllein diese drei bildeten ein breites weltanschauliches Spektrum ab. Und auch wenn sie nicht frei von autoritären Zügen waren, stand ihre demokratische Grundgesinnung stets außer Frage. Ganz anders bei Wilhelm Pieck und Walter Ulbricht, den führenden Männer im Osten: Sie hatten eine lange kommunistische Vita mit großer Nähe zum sowjetischen Tyrannen Stalin.

Die politische Kultur in Ost und West begann also bereits im Sommer 1945 auseinanderzudriften. Franzosen, Briten und Amerikaner schlugen in den von ihnen besetzten Zonen sofort einen grundsätzlich anderen Kurs ein als die Sowjetunion in ihrer. 1949 entstanden daraus folgerichtig zwei Staaten mit völlig verschiedenen Herrschafts- und Gesellschafts-systemen.dann ist es aber schon schöner In der Bundesrepublik entwickelte sich dann neben einer robusten Wirtschaft auch eine lebhafte Demokratie. Die Bürger*innen lernten über die Jahrzehnte – individuell wie als Gesellschaft – sowohl heftige Debatten zu führen als auch den Dissens auszuhalten. Hier nur ein paar der umstrittensten Themen:X Compact Videos - CHIPDie Wiederbewaffnung 1956, der Eichmannprozess 1961, die Spiegel-Affäre 1962, die Auschwitzprozesse 1963 und dann das gesellschaftliche Erdbeben, das wir heute einfach nur noch nach dem Ereignisjahr „’68“ nennen. Parallel vollzog sich auch ein enormer kultureller Wandel: Der Rock’n’Roll revolutioniert zunächst die Musik und beinahe im gleichen Atemzug auch die Rolle der Jugend in der Gesellschaft; es folgte der Siegeszug der schon bald globalisierten wie globalisierenden Popkultur.

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Diese Prozesse schlugen sich wiederum politisch nieder: Nach zwanzig Jahren gab es im Westen den ersten echten Regierungswechsel auf Bundesebene, fortan stellte die SPD mit Willy Brandt den Kanzlerwenn man schnellere Musik hört. Der wagte dann noch mal „mehr Demokratie“, und auch diese sozial-liberale Ära brachte neue Konfliktfragen samt erbitterter politischer Kontroversen mit sich. Der Radikalenerlass und die Ost-Verträge markierten nur den Anfang, der „Heiße Herbst“ des RAF-Terrors von 1977 erschütterte die Republik dann wieder bis ins Mark.

Doch sie erwies sich in dieser existenziellen Krise bereits als erstaunlich demokratisch gefestigt. Drei Jahre später erfolgte die Gründung der Grünen, 1982 dann der Sturz Helmut Schmidts durch ein konstruktives Misstrauensvotum. Dabei erlebten die Westdeutschen übrigens ihre erste „Wende“, und zwar die „geistig-moralische“, wie der neue Bundeskanzler Helmut Kohl am Tag seiner Wahl verkündete. Das alles war begleitet von heftigsten Auseinandersetzungen (und nicht zuletzt Klaus Staecks legendärer Verunglimpfung Kohls als „Birne“), lässt sich aber nur als Zeichen demokratischer Normalität lesen.

Die Deutsche Demokratische Republik hingegen war trotz ihres Namens genauso wenig demokratisch wie zuvor der NS-Staat. Ihre Wahlen waren ausnahmslos manipuliert, eine Opposition gab es faktisch nicht. Der lauthals propagierte Antifaschismus existierte nur auf Plakaten und in Partei-Parolen. Auf dem Gebiet der DDR war wieder eine totalitäre Diktatur entstandenUmso wichtiger ist also die Früherkennung. In der gab es später zwar auch Popmusik, Miniröcke und jugendliches Rebellentum, aber Politik- und Regierungswechsel wie im Westen waren in der Einparteienherrschaft der SED nicht vorgesehenLegt nicht immer viel Wert auf Musik beim Sex. Mit Ausnahme der marginalisierten Kirchen existierte – anders als im Westen – auch keine nennenswerte Zivilgesellschaft. Vom Fußballverein bis zum Kinderchor funktionierte das gesellschaftliche Leben ausschließlich innerhalb staatlicher Strukturen.

56 Jahre Diktatur = Drei Generationen ohne Demokratie-Erfahrung

Politische Selbstwirksamkeit gehörte bis zum Herbst ’89 überhaupt nicht zum Erfahrungsschatz der Menschen im Osten. Genau die ist aber konstitutiv für ein demokratisches Gemeinwesen. Faktisch hatten die Bürger*innen der DDR 56 lange Jahre (von 1933 bis 1989) und damit über drei volle Generationen hinweg selbst nie öffentliches wie ergebnisoffenen Ringen zwischen politischen Ideen und Konzepten gelebt. „Unentwegt war dabei von Recht, Demokratie und Freiheit die Rede“, hat der Ostberliner Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk kürzlich in der Wochenzeitung Die Zeit gesagt, „nur war damit etwas ganz anderes gemeint als im Westen.“

Fest steht: Die beiden Deutschlands hatten nach Jahrzehnten der Teilung eine höchst unterschiedliche Demokratiegeschichte und darüber auch in ihren Bevölkerungen ganz andere politische Mentalitäten ausgebildet000 Aufnahmen wertet Dr. Das allein erklärt natürlich nicht, warum im Osten – zuletzt wieder in Brandenburg, Sachsen und Thüringen – dauerhaft wesentlich mehr Menschen rechtsextremen Parteien ihre Stimme geben als im Westen. Zwar lehnt auch dort ein nennenswerter Teil der Wähler*innen die Demokratie ab und beschert der AfD mitunter zweistellige Ergebnisse. Wenn ihr meine Ansichten teiltJedoch registriert die Soziologie in den alten Bundesländern schon seit langem stabil rund 15 Prozent der Bevölkerung, die zu autoritären und illiberalen Politikentwürfen neigen. Im Osten ist dieser Anteil fast doppelt so hoch.

Die deutsche Teilung ist auch eine kulturelle

Für die seit Jahren virulenter werdende Frage, wie dieser Entwicklung zu begegnen sei, scheint mir der skizzierte demokratiegeschichtliche Ansatz besonders vielversprechend. Er blendet vor allem nicht mehr aus, dass und wie lange in einer Gesellschaft die eigene Geschichte nachwirktUnd damit endet leider auch diese Kolumne. Die psychologischen Folgen von Diktatur und Jahrzehnte langer Gängelung für das Selbstverständnis müssen endlich ernst genommen und nicht weiter als nachrangige Faktoren abgetan werden. Statt der materiellen und infrastrukturellen Fragen – die gleichwohl nicht unwichtig sind – müssen kulturelle Mechanismen und Phänomene im Zentrum der Analyse und Reaktion darauf stehen.

Wir sollten also endlich zur Kenntnis nehmen, dass weder 5G-Netze noch mehr Postfilialen oder Polikliniken an der raumgreifenden Ablehnung des pluralen, demokratischen Rechtsstaates in Ostdeutschland substanziell etwas ändern werden.wie bestimmte Strategien erfolgreich angewendet werden – und möchtest genau das auch Wenn diese Republik doch noch eine gemeinsame (!) demokratische Kultur bekommen soll, müssen wir die auch gemeinsam entwickeln und einüben. es werde nach Lösungen für das Problem gesuchtWestdeutsche haben dabei endlich zu verstehen, dass die Wende von 1989 für die Menschen im Osten tiefgreifendste Folgen hatte und massenhaft zu existentiellen Enttäuschungen führte – egal wie unbegründet bereits die Erwartungen vieler DDR-Bürger damals wie heute manchmal scheinen mögen.

Deutsch-deutsche Lebenslügen

Die Ostdeutschen müssen sich im Gegenzug klar machen, dass sie zum Zeitpunkt des Mauerfalls fast genauso ungenaue, oft aber auch völlig falsche Vorstellungen vom Westen hatten wie umgekehrt. Ihre West-Kenntnis stammte naturgemäß vorwiegend aus dem Fernsehen. Bereits das führte nach 1989 zu vielen Enttäuschungen über ein Land, das tatsächlich ganz anders funktionierte und auch tickte, als die allermeisten Ostdeutschen immer geglaubt hatten. Trainiere diese oder hol dir dafür UnterstützungArrogante, mitunter verlogene und sogar betrügerische Wessis verstärkten diese Effekte, als sie in den Nachwendejahren den Osten zu kolonisieren oder gleich ganz auszunehmen versuchten (und das oft auch schafften). denn es gab öfter langanhaltende StromausfälleNatürlich gibt’s immer so’ne und so’ne … aber der Arschlochfaktor unter den westlichen Akteuren war schon ziemlich hoch.

Gleichzeitig gab es allerdings auch Ostdeutsche, gerade aus gehobenen Partei-, Staats- und Wirtschaftskreisen, die sich durch Insiderwissen und Beziehungen ohne Rücksicht auf Verluste ihrer Mitmenschen die Taschen voll gemacht haben.aber das geht manchmal echt richtig nach hinten los Davon tauchte so mancher bald als – ziemlich unangenehmer – Glücksritter im Westen auf; die meisten scheiterten. Das Vertrauen in die Menschen aus dem jeweils anderen Teil Deutschlands wurde so massiv und nachhaltig beschädigt.

(Dieser Text ist in einer kürzeren, Form bereits in der aktuellen Ausgabe 166 der Kulturpolitischen Mitteilungen erschienen.)

Foto: © Peter Grabowski